Beginn der Festsetzungsfrist für die Erbschaftsteuer beim Auffinden eines Testaments
Leitsatz
1. Für die Kenntnis von dem Erwerb im Sinne von § 170 Abs. 5 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO) ist der rechtsgültige Erwerb maßgebend. Die Anlaufhemmung gilt für den jeweiligen Erwerb aufgrund eines bestimmten Rechtsgrunds. Lediglich im Hinblick auf diesen Rechtsgrund ist ihre Wirkung mit der einmal erlangten Kenntnis verbraucht.
2. Maßgebender Zeitpunkt, zu dem ein testamentarisch eingesetzter Erbe sichere Kenntnis im Sinne von § 170 Abs. 5 Nr. 1 AO von seiner Erbeinsetzung hat, ist der Zeitpunkt einer Entscheidung des Nachlassgerichts über die Wirksamkeit des Testaments im Erbscheinverfahren, wenn ein anderer möglicher Erbe der Erteilung des Erbscheins entgegentritt.
3. Ob die Gerichtsentscheidung mit Rechtsmitteln anfechtbar ist oder tatsächlich angefochten wird, ist für die Kenntnis im Sinne des § 170 Abs. 5 Nr. 1 AO unerheblich (Anschluss an , BFH/NV 2022, 901).
Tatbestand
Diese Entscheidung steht in Bezug zu
ECLI Nummer: ECLI:DE:BFH:2025:U.040625.IIR28.22.0
Fundstelle(n): AO-StB 2025 S. 390 Nr. 12 AO-StB 2025 S. 391 Nr. 12 BB 2025 S. 2582 Nr. 45 BFH/NV 2025 S. 1673 Nr. 12 DStR 2025 S. 2533 Nr. 44 DStR 2025 S. 2535 Nr. 44 DStR-Aktuell 2025 S. 6 Nr. 44 DStRE 2025 S. 1399 Nr. 22 ErbBstg 2026 S. 3 Nr. 1 ErbBstg 2026 S. 5 Nr. 1 ErbStB 2025 S. 389 Nr. 12 ErbStB 2025 S. 389 Nr. 12 NJW 2025 S. 3599 Nr. 49 NJW 2025 S. 3600 Nr. 49 StuB-Bilanzreport Nr. 23/2025 S. 952 StuB-Bilanzreport Nr. 23/2025 S. 952 YAAAK-03047