Online-Nachricht - Donnerstag, 19.02.2026

Internationales/Forschung | EU-Steuerregeln zeigen Wirkung - sind aber hochkomplex (ZEW)

Das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim (ZEW Mannheim) hat eine gemeinsame Studie des ZEW Mannheim, der Universität Mannheim sowie der Steuerberatungsgesellschaft EY zu nationalen Spielräumen bei Anti-Steuervermeidungsregeln veröffentlicht.

Hierzu führt das ZEW u.a. weiter aus:

Die Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuervermeidung in der EU wurden in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Eine aktuelle Studie der Universität Mannheim, dem ZEW Mannheim und Ernst & Young (EY) zeigt: Trotz gemeinsamer Mindeststandards unterscheiden sich die nationalen Regelungen deutlich in ihrer Ausgestaltung und Strenge. Die Analyse untersucht erstmals systematisch, wie die Anti-Tax Avoidance Directive (ATAD), die EU-Blacklist sowie zusätzliche nationale Maßnahmen in den 27 EU-Mitgliedstaaten umgesetzt wurden und wie sie mit der seit Kurzem geltenden globalen Mindeststeuer zusammenspielen. Grundlage ist eine umfassende Befragung lokaler Steuerexpertinnen und -experten in allen EU-Ländern.

Große Unterschiede bei ATAD-Umsetzung

Die Analyse zeigt, dass die EU-Mitgliedstaaten die ATAD-Vorgaben zwar flächendeckend umgesetzt haben, ihre konkrete Ausgestaltung jedoch erheblich variiert. Dies betrifft insbesondere die Hinzurechnungsbesteuerung, Zinsschrankenregelungen sowie Ausnahmen und Schwellenwerte. Dadurch entsteht eine zunehmende regulatorische Fragmentierung innerhalb des EU-Binnenmarkts. Für international tätige Unternehmen erhöhen sich dadurch die Rechtsunsicherheit und der administrative Aufwand erheblich. In der Folge stellt sich die Frage, ob die bestehende Vielfalt an Regelungen noch im Einklang mit dem Ziel eines möglichst einheitlichen europäischen Steuerrahmens steht.

Wechselwirkungen mit der globalen Mindeststeuer

Zudem überschneidet sich die globale Mindeststeuer in vielen Fällen mit bestehenden ATAD-Maßnahmen und nationalen Anti-Steuervermeidungsregeln. Diese wurde als ein weiteres zentrales Instrument zur Bekämpfung von Gewinnverlagerungen eingeführt, das vor allem niedrige effektive Steuersätze adressiert. Insbesondere in Ländern mit einer bereits sehr umfassenden Gesetzgebung kann es dadurch zu parallelen oder mehrfachen Belastungen desselben Sachverhalts kommen. Vor diesem Hintergrund kommt die Studie zu dem Schluss, dass die EU die globale Mindeststeuer wieder aufheben und ihren Fokus auf eine konsolidierte Weiterentwicklung der ATAD sowie auf koordinierte nationale Maßnahmen legen sollte.

Über die Methodik

Die Studie basiert auf einer systematischen Erhebung der geltenden Anti-Steuervermeidungsregelungen in allen 27 EU-Mitgliedstaaten. Im Frühjahr und Sommer 2024 wurde hierzu eine detaillierte Befragung lokaler Steuerexpertinnen und -experten durchgeführt, die jeweils über tiefgehende Kenntnisse der nationalen Steuergesetzgebung verfügen. Die Befragung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem internationalen Netzwerk von EY und umfasste unter anderem die konkrete Ausgestaltung der ATAD-Regeln, Maßnahmen im Zusammenhang mit der EU-Blacklist, die Umsetzung der globalen Mindeststeuer sowie zusätzliche nationale Anti-Steuervermeidungsinstrumente.

Hinweis:

Die Studie sowie weitere Informationen zum Thema sind auf der Homepage des ZEW Mannheim veröffentlicht.

Quelle: ZEW Mannheim, Pressemitteilung v. (il)

Fundstelle(n):
VAAAK-10445